Queer-Springer SSV

Schachsportverein
für Schwule & Lesben

Jeden Sonntag und jeden Donnerstag um 20 Uhr: Unser Q-Team in der Lichess-Quarantäneliga

Klassenturniere 2010 - Blog

Mittwoch, 16. Juni 2010

Der Satz mit X...

von MarcR • 01:57 • 9. Runde

Zu den schlimmsten Situationen im Schach, zumindest für mich, gehört es, wenn man weiß, dass man auf Gewinn steht, man aber nicht weiß, wie man die Stellung tatsächlich gewinnen soll. Dieses Gefühl der Unzulänglichkeit und Ohnmacht macht mich rasend. Und der Hass auf den Gegner, weil er nicht einfach aufgibt.

Die Partie der letzten Runde begann für mich perfekt. Mein Gegner, Reinhard Bullig, kannte die Eröffnung nicht, stellte früh einen Bauern ein und ich stand einfach gut. Allerdings fand ich mal wieder keinen Plan, spielte idiotische Sinnloszüge und ließ ihm dadurch schon völlig unnötige Chancen.

Trotzdem bekam ich, nach einem zweiten Patzer von Weiß, ein wohl gewonnenes Endspiel (mit Mehr-Freibauer), mein Gegner schmiss sogar noch eine Qualität hinterher, in der Hoffnung, meinem König zusetzen zu können, was aber nicht klappte.

Nach dem 40. Zug sah es so aus:


und 18 Züge später so:


in diesen 18 Zügen hat Weiß 15-mal mit der Dame Schach gegeben, und ich kam einfach nicht aus diesen Scheiß-Schachs raus. Und im 58. Zug machte mich mein Gegner dann darauf aufmerksam, dass meine Zeit gefallen war.
Ach ja, ein Remis, das er mir angeboten hat (und das mir zum Aufstieg wahrscheinlich gereicht hätte), hatte ich abgelehnt.
Ich war stinksauer! So sauer, dass ich im Frust sogar vergessen hab, dass ich noch einen Kaffee bezahlen musste und einfach nach Hause gefahren bin. Peinlich! Lieber SC Kreuzberg, es war keine böse Absicht, und wenn ich das nächste Mal wieder bei Euch bin, bezahle ich ihn, versprochen!!

Auf dem Weg nach Hause war es kalt und ich nur mit dem T-Shirt auf dem Rad. Das gab mir Gelegenheit, mich ein bisschen abzukühlen.
Meine beiden Aufstiegskonkurrenten haben ihre Partien gewonnen, so dass ich also nicht aufsteige. Herzliche Gratulation an Andreas und Robert!

Und auch wenn ich mich darüber ärgere, darf ich mich eigentlich nicht beschweren. Dass ich in der letzten Runde überhaupt noch um den Aufstieg mitgespielt hab, lag nicht an meinem tollen Schach, sondern nur an meinem unvorstellbaren Glück. Tatsächlich habe ich in den meisten Partien ziemlich schlecht gespielt und den Aufstieg deswegen auch gar nicht verdient. Auch heute habe ich phasenweise nicht gut gespielt und bin dafür ausnahmsweise mal bestraft worden. Es ist alles ok.