Queer-Springer SSV

Schachsportverein
für Schwule & Lesben

Jeden Sonntag und jeden Donnerstag um 20 Uhr: Unser Q-Team in der Lichess-Quarantäneliga

Klassenturniere 2010 - Blog

Mittwoch, 19. Mai 2010

Ouch! I've been benko'ed!

von MarcR • 14:46 • 4. Runde

In der gestrigen, der 4. Partie bekam ich es also mit dem DWZ-stärksten Spieler unserer Gruppe zu tun: Andreas Lange vom SC Kreuzberg.
Meine Datenbankrecherche brachte nicht viel Aufschlussreiches; eine einzige Weißpartie fand ich von ihm, in der er den Trompowsy spielte. Also bereitete ich mich mal ein bisschen auf diese Spezialität vor. Andreas war allerdings auch nicht untätig, und wurde hier auf unserer Homepage fündig. Er hatte also quasi die Wahl zwischen Trompowsky und Benkö und zu meiner Freude entschied er sich dafür, sich auf das Wolgagambit einzulassen! Und er spielte auch keine Spielverderber-Ausweichvariante, sondern das klassische angenommene Wolgagambit. Allein dafür hatte sich die Reise nach Kreuzberg schon gelohnt. Danke, Andreas!

Für die Ortsunkundigen: in dieser Eröffnung schmeißt Schwarz gleich in den ersten Zügen einen Bauern in die Wolga und bekommt dafür Aktivität, ein bisschen Initiative und offene Linien (a+b). Sein Plan ist es, zunächst diesen Bauern irgendwann wiederzubekommen (meistens a2 oder b2), und weil der andere Bauer dann oft schwach wird, idealerweise auch noch den zweiten. Mit einem Mehrbauern geht es dann ins Endspiel. (Weiß ist derweil natürlich nicht untätig und versucht, im Zentrum und am Königsflügel Feuer zu machen, bevor Schwarz sich seine Wünsche erfüllt.)


Teil 1 meines Plans ging ganz gut auf. Das Diagramm zeigt die Stellung nach dem 18. weißen Zug und mit 18. ..., Sa3!? bekam ich jetzt den Bauern zurück. Soweit so gut.

Sechs Züge später sah es so aus:


Überraschend einfach gewinnt Schwarz jetzt den a-Bauern, oder?
Ich spielte 24. ..., Lxa2, worauf Andreas mit dem hinterhältigen 25. De1! antwortete. Ich ahnte nichts Böses, und um die Grundreihe zu entlasten brachte ich mit 25. ..., Sf6 meinen Springer zurück ins Spiel.
Jedoch, nach 26. Te2!


wurde guter Rat plötzlich teuer. Da war ich wohl ein bisschen unvorsichtig. ;-(

Sehr Seltsames trug sich beim anschließenden Blitzen unten im Keller zu. Gegen 23 Uhr kam jemand und fragte, ob zufällig einer einen 15er Schraubenschlüssel bei sich hätte, er müsse mal eben sein Rad reparieren. Was soll ich sagen? Zufällig hatte ich einen Schraubenschlüssel in meiner Hosentasche und konnte so sein Rad retten. (Daniil Charms saß derweil an der Theke und holte sich ein Hämmerchen aus dem Mund.)

Also, mit dem Punkt hat es leider nicht geklappt. Morgen geht es schon weiter, dann gegen den Zweiten der Rangliste, auch so ein relatives DWZ-Schwergewicht (jedenfalls im Vergleich zu mir). Den Punkt will ich trotzdem, damit ich nächstes Jahr gegen Andreas in der B-Klasse meine Wolga-Revanche bekomme.

MarcR, 19.05.2010 14:47

Aso, ich wollte ja auch noch was zu Wolfgangs Alptraum schreiben. Naja, Wolfgang, musste jetzt doch selber machen. :-)

Andreas Lange (SCK), 20.05.2010 09:12

Lieber Marc,
den Trompowsky hab ich, soweit ich mich erinnere, noch nie gespielt. Wahrscheinlich hast Du eine Partie meines Namensvettern beim SK Tempelhof erwischt.
Trotzdem vielen Dank für die tolle Partie. Mach weiter mit dem schönen Schach, dass Du spielst.
Wie sich in der Partie gezeigt hat und wir in unserer nachträglichen Analyse ansprachen, wäre es besser gewesen den Springer von f6 nach e8 gleich weiter nach c7 zu führen. Nur an dieser kleinen Feinheit scheiterte letztlich dein gut geführter Angriff. Ich hätte aber mit früherem Sf3-d2 auch noch mehr Beton aufs Brett kippen können, um deinen Springer nicht nach c4 zu lassen. Wir haben uns beide jeweils anders entschieden, etwas riskiert und insgesamt eine interessante Partie hingelegt.
Man sieht sich heute abend.